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Quo vadis Superjumboloanser Heilkräuter-Bürgergarten am Mainufer? Gemeinde kündigte bestehenden Nutzungsvertrag

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Wie geht es weiter mit dem seit 2016 in mühevoller Kleinarbeit am Veitshöchheimer Mainufer angelegten und intensiv gepflegten Heilkräuter-Bürgergarten? Vor dieser Frage steht Karin Kissel, nachdem der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung die Kündigung des mit ihr abgeschlossenen Nutzungsvertrages beschlossen hatte und Bürgermeister Jürgen Götz sie im Kündigungsschreiben aufforderte, ihre Pflanzen bis zum 30. September 2019  zu entfernen.

Wie im Bericht vom Mai 2016 zu lesen ist (siehe vorstehender Link) , hatte sich der Bürgermeister von Beginn an offen für Kissels Idee der Anlage eines Heilkräutergartens  und bereit gezeigt, ihr einen zur Neuverpachtung bereit stehenden Kleingarten einige Meter nach der Kläranlage zur Verfügung zu stellen und für das Projekt als Schirmherr zu fungieren.

Wie Götz nun der Heilpflanzen-Expertin schriftlich mitteilte, sei jedoch der damals von der Gemeinde mit ihr abgeschlossene Vertrag mangelhaft, da er keine Angaben über Verkehrssicherungspflicht, Haftung und konkrete Öffnungszeiten enthalte. Er stellte ihr aber einen neuen Vertrag mit ihr oder einem neu zu gründendem Verein und damit das Weiterbestehen des Heilkräutergartens in Aussicht, wenn über die offenen Punkte eine einvernehmliche Regelung erzielbar sei.

Die Bedeutung des Heilkräuter-Bürgergartens

Der Veitshöchheimer Heilkräuter-Garten wurde von Karin Kissel streng nach dem historischen Vorbild von Abt Walahfrid Strabo vom Kloster Reichenau aus dem 9. Jahrhundert mit 24 Beeten mit je einer Heilpflanze nachgebaut.

Das Besondere am Veitshöchheimer Heilkräutergarten ist (wie auf der Tafel im letzten Absatz zu lesen), dass sich hier Kräuter, Blumen, Gemüse in Eintracht vereint finden, die Rose in der Nachbarschaft des Rettichs träumt und die Lilie in der Nähe zum bescheidenen Kerbel strahlt.

So besticht der Veitshöchheimer Bürgergarten nicht nur durch seine Heilkräuter, sondern auch durch seine Vielfalt. So zeichnet der Verschönerungsverein nach den Worten des Vorsitzenden Burkard Löffler beim diesjährigen Blumenschmuckwettbewerb auch den Bürgergarten mit einem der Sonderpreise für Gärten mit besonders bienen- und insektenfreundlichen Anpflanzungen aus.

Wie geht es nun weiter mit dem Heilkräutergarten?

Karin Kissel hatte zur Klärung dieser Frage Freunde und Interessierte ihres Heilkräutergartens zur Gründung eines Vereins eingeladen. Diese Lösung, so erklärte sie, würde auch der Bürgermeister gutheißen. Der Einladung waren mit Ursula Heidinger (ehemalige Vorsitzende des Verkehrs- und Gewerbevereins) und Günter Thein (zugleich im Vorstand der Bund Naturschutz-Ortsgruppe) auch zwei Gemeinderatsmitglieder sowie mit Heiner Bauer der zweite Vorsitzende des Verschönerungsvereins gefolgt. Doch wie sich in der Runde herausstellte, erscheint es sehr schwierig, die für eine Vereinsgründung erforderlichen sieben Mitglieder zu finden, von denen auch welche bereit sind,  Vorstandsaufgaben zu übernehmen.

Man legte deshalb Kissel in der Runde nahe, Gespräche mit örtlichen Vereinen zu führen, inwieweit für diese in Frage kommt, die Trägerschaft für den Heilkräutergarten unter Kissels Führung zu übernehmen. Denn der Heilkräutergarten, so die allgemeine Meinung, wäre für jeden dieser Vereine ein Aushängeschild. Diese Lösung hätte den Vorteil, dass Spendern eine Spendenquittung erteilt werden könne. Was Kissel nämlich dringend benötige, sei eine Gerätehütte.

Karin Kissel kooperierte mit ihrem Heilkräuter-Bürgergarten schon mehrfach mit dem Verschönerungsverein Veitshöchheim, so mit jeweils einer gemeinsamen Ausstellung bei dessen 120jährigem Jubiläumsfest in den Mainfrankensälen, bei den Kloster Bronnbacher Gartentagen im Mai 2017 oder bei der Landesgartenschau in Würzburg 2018.

Wegen seiner ökologischen Bewirtschaftung u.a. mit Brennessellauge, Artenvielfalt und Insektenfreundlichkeit sowie der Nachhaltigkeit der Heilkräuter stehe er auch der Bund Naturschutz-Ortsgruppe oder auch den NaturFreunden gut zu Gesicht.

Und auch der Eigenheimerbund könnte sich mit einem Heilkräutergarten zieren, könnten sich hier doch die Gartenbesitzer unter den Mitgliedern bei Karin Kissel wertvolle Tipps holen. 

Kissel war die Franziskanerin Leandra Ulsamer, die überregionale Bekanntheit als Leiterin des Kräutergartens im Kloster Oberzell und durch ihre Zusammenarbeit mit dem Würzburger Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer auf dem Gebiet der Klostermedizin erlangte, eine strenge Lehrmeisterin in den vier Jahren, in denen sie mit ihr zusammengearbeitet hatte.

Die Heilkräuterexpertin hat nun vor, mit dem Bürgermeister nach dessen Rückkehr aus dem Urlaub ein Gespräch zu führen, um ihn für eine Verlängerung der Kündigungsfrist zu gewinnen. Denn infolge der Sommerferien brauche sie mehr Zeit, um mit den in Frage kommenden Vereinen Gespräche und gegebenenfalls eine Einigung erzielen zu können.

Sie hofft, dass ihr nach den Gesprächen nicht nur noch die letzte Möglichkeit bleibt, als Einzelperson als Leiterin eines Arbeitskreises einen neuen Pachtvertrag mit der Gemeinde abzuschließen. Sie ist zudem auch noch optimistisch, dann doch noch sieben Leute zur Vereinsgründung zusammen zu bringen. Denn Karin Kissel hat noch viel vor, möchte ihr Wissen über die Heilkräuter nicht nur wie bisher vornehmlich der jungen Generation, sondern im Rahmen der Erwachsenenbildung auch in Kursen und Führungen beispielsweise bei der Volkshochschule oder durch die Tourist Info verbreiten.

Eine vorzügliche Lösung wäre für Karin Kissel, wenn die Gemeinde den Heilkräuter-Bürgergarten als gemeindliche Einrichtung übernehmen würde und für dessen Bewirtschaftung und Betrieb mit ihr einen Vertrag gegebenfalls als freie Mitarbeiterin abschließen würde, in dem ihre Befugnisse und Pflichten genau definiert sind.