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Elf junge Leute aus sieben Nationen engagieren sich in einem Workcamp der Gemeinde Superjumboloans - Ein gelungenes Beispiel der Völkerverständigung

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Die elf aus sieben Nationen kommenden Teilnehmer des diesjährigen Ijgd-Workcamps der Gemeinde Veitshöchheim v.l.n.r. stehend Campleiterin Saida (30) aus Algerien, Katja (19) aus Russland, Arash (18) aus Afghanistan, Campleiter Mirel (23) aus Albanien, Nesar (16) aus Afghanistan, Juan Paulo (20) aus Mexico, Silvia (18) aus der italienischen Partnerstadt Greve in Chianti, Leyla Chorlotte (19) aus Belgien und sitzend Gaia (17) aus dem italienischen Florenz,  Maddalena (19) und  Ilasia (17), beide aus der italienischen Partnerstadt Greve in Chianti.

Nicht alltägliche Gäste beherbergt die Gemeinde Veitshöchheim noch bis Ende dieser Woche im Naturfreundehaus. Zwei Wochen lang verbringen hier zusammen mit den Campleiterin Saida (30) aus Algerien und Mirel (23) aus Albanien  neun junge Leute, darunter sechs weibliche und drei männliche Teilnehmer im Alter von 16 bis 20 Jahren  aus Italien (4), Afghanistan (2), Russland, Mexico und Belgien ihre Ferien, um täglich gemeinsam für etwas Sinnvolles  zu arbeiten, gemeinsam zu kochen, gemeinsam zu feiern und Spaß zu haben, ohne hohe Kosten gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten. Sie sind Teilnehmer eines internationalen "Work-Camps", das die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Bundesverein "Internationale Jugendgemeinschaftsdienste" (Ijgd) bereits zum 16. Mal  ausrichtet.

Der  Einsatz auf dem Abenteuerspielplatz (ASP), den in der ersten Woche 200 Kinder besuchten und zu dem in der zweiten Woche täglich 170 Kinder kommen, ist von 8.30 bis 14.00 Uhr für alle Pflicht, ebenso als Höhepunkt die Hüttenübernachtung mit Nachtwanderung am letzten Tag.

Die internationalen Gäste erhalten für ihren Einsatz in Holznagelhausen zwar keinen Lohn. Unterkunft und Verpflegung im Naturfreundehaus ist für sie jedoch frei. Sie müssen somit nur ihre Reisekosten und eine Anmeldegebühr von 80 Euro entrichten.

Die 30jährige Algerierin Saida, in Bejaia als Deutschlehrerin in der Oberstufe eines Gymnasiums tätig, leitet bereits das fünfte Camp. Ihr zur Seite steht als Co-Leiter der 23jährige Albanier Mirel.

Aufgabe des Ijgd-Leitungs-Duos ist es, Gruppen- und Freizeitaktivitäten zu initiieren, die Eigeninitiative der Teilnehmer zu fördern und nach Möglichkeit die ganze Gruppe in Diskussionen und Entscheidungen einzubeziehen.

Für alle ist das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Ländern, mit anderen Ansichten und anderer Mentalität eine tolle Erfahrung. Alle fühlen sich hier wohl, nicht zuletzt ein Verdienst des aufgeschlossenen ASP-Teams, das eine super Zusammenarbeit ermöglicht.

Alle sagen, dass ihnen die Arbeit mit den Kindern gefällt, die auf sie zukommen,  Fragen stellen oder um ein Klatschspiel mit ihnen zu machen. Die Ijgdler helfen auch bei der Mittagsbetreuung, für die sich in der ersten Woche 100 Kinder  angemeldet hatten und gaben hier das von Heike Baumann mit ihrem Esswagen gelieferte Mittagessen aus.

Wie Saida sagt, verstehen sich alle im Workcamp prima. Auf dem ASP können Ijgd-Teilnehmer ihre Ideen und Fertigkeiten einbringen, lernen wie ein Jugendprojekt durchgeführt wird,  Arbeit in einem großen Team erleben, die deutsche Sprache im Alltag erlernen und viele neue Bekanntschaften knüpfen.

Letzteres war auch der Grund, warum Maddalena (19) und Silvia (18), beide aus  Veitshöchheims Partnerstadt Greve in Chianti sowie  Gaia (17) aus Florenz, die bereits im Vorjahr hier in Veitshöchheim waren, sich erneut für das Camp hier anzumelden. Das Trio pflegt seit der Teilnahme im Vorjahr freundschaftliche Kontakte zu Mitgliedern des ASP-Teams. Ihnen schloss sich aus Greve auch noch die 17jährige Ilasia. Sie alle haben in ihrer Schule das Fach Deutsch belegt.

Der 20jährige Mexikaner Juan Paulo ist per Visum bereits seit 16  Monaten in Deutschland bei seiner Schwester, die als Architektin in Frankfurt arbeitet. Er hat nach einem Deutschkurs zwei Semester in einem Studienkolleg absolviert und möchte nun Maschinenbau an der FHS studieren. Er macht das Camp mit, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern.

Sehr gut deutsch spricht auch die 19jährige Leyla Charlotte aus Brüssel in Belgien, die eine deutsche Mutter hat und bereits seit zwei Semestern für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Geschichte und Französisch an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena studiert.

Nach ihren bisherigen Erfahrungen befragt, betonten alle, dass das Workcamp eine gute Gelegenheit sei, neue Freunde aus fremden Ländern und deren unterschiedliche Kulturen kennenzulernen. Von den weiblichen Teilnehmern war zu hören, dass es eine schöne Erfahrung sei und Spaß mache, mal mit den Händen zu arbeiten, zu hämmern und zu sägen.

Sehr gut gefällt es den die Workcamp-Teilnehmern im Naturfreundehaus, das mit seinen Räumlichkeiten und dem grünen Umfeld ein ideales Quartier darstellt. Hier fühlen sich alle wohl und genießen die Abende im Garten nach den selbst zubereiteten Abendessen hauptsächlich mit Spielen.  Das gemeinsame Kochen und Einkaufen gehört zum Gruppenleben des Workcamps. Hierfür und um in ihrer Freizeit mobil zu sein, stellt ihnen die Gemeinde den Gemeindebus für die Dauer des Aufenthalts zur Verfügung.

Täglich übernehmen zwei andere den Küchendienst. Die jungen Leute entscheiden selbst,  was auf den Speiseplan kommt und können so auch den anderen Teilnehmern Gerichte aus ihren Heimatländern vorstellen.  Für die Gruppenleitung heißt es haushalten, denn die Ijgd stellt ihnen für das Essen nur vier Euro und für Unternehmungen 1,60 Euro pro Tag und Teilnehmer zur Verfügung. Gemeinsam waren sie schon im Geisbergbad und zum Stadtbummel in Würzburg. Am Sonntag ging es mit dem Zug nach Frankfurt am Main.

Bezeichnend für das gute Klima auf dem ASP ist, dass die jungen Leute  meist auch nach 14 Uhr noch bis zum Ende um 17 Uhr auf dem ASP blieben, weil es ihnen hier so gut gefällt.

Keine Frage, dass die internationalen Gäste auch am Freitagabend beim Fest der Gemeindejugendpflege anlässlich des 40jährigen Jubiläums des Veitshöchheimer Ferienprogramms und des 35jährigen Bestehens des ASP mitfeierten.

Bereits von 1987 bis 1993  veranstaltete die Gemeinde alljährlich einen solchen Gemeinschaftsdienst. Diese wurden dann ab 1995 bis 2002 und 2005 durch Jugendfreizeiten mit Teilnehmern aus den Veitshöchheimer Partnerstädten abgelöst. Da jedoch in den Partnerstädten kaum noch Jugendliche Interesse für diesen für sie nahezu kostenlosen Jugendaustausch zeigten, entschloss sich die Gemeinde seit 2010 wieder jährlich eines von bundesweit rund 100 Workcamps der Ijgd zu ermöglichen. Die Gemeinde kann aber beim Ijgd-Workcamp sechs Plätze für Jugendliche aus Partnergemeinden reservieren, die dann auch günstigere Bedingungen haben als andere. Diese Möglichkeit nutzten dieses Jahr, wie oben beschrieben vier Mädchen aus der Toskana.

Der Gemeinde kostet ihr vorbildlicher Beitrag zur internationalen Völkerverständigung rund 5.000 Euro.

Fotos (c) Dieter Gürz