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Lobeshymnen für das niederbayerisch-österreichische Trio Zeidlang beim 4. Superjumboloanser Sommerkonzert

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Von Lobeshymnen wie "Das war etwas Besonderes" und "Ein wunderschöner erfüllender Abend" überschüttet wurde das 2015 von Matthias Deger, Maria Weber und Anna Gruchmann (links) gegründete  Ensemble "Zeidlang" von den über 50 sichtlich überraschten Zuhörern bei ihrem Auftritt im Synagogenhof beim vierten Sommerkonzert.  Auf diesem Foto besingt das Trio in dem reinen Vokallied "dram vo da hoamat" ("Träume von der Heimat") die Schönheit der Natur ihrer niederbayerischen Heimat und die Zufriedenheit der Bewohner.

 

Authentisch, kreativ und mit natürlicher Ausstrahlung gelang es dem im Landkreis Passau ansässigen Musikerpaar Maria Weber (Gesang, Akkordeon und Shrutibox) und Matthias Deger (Gesang, Klarinetten, Akkordeon, Shrutibox und Scheitholt) zusammen mit der Salzburgerin Anna Gruchmann (Kontrabass und Gesang) eindrucksvoll, ihrer Liebe zur ursprünglichen Volksmusik Ausdruck zu verleihen. Wobei der niederbayerische Dialekt der Lieder so manchen Zuhörer herausforderte, was das Verstehen anbelangt.

„Zeidlang“ ist das bairische Wort für Sehnsucht und so lag denn auch der Schwerpunkt der 23 in der idyllischen Atmosphäre des Synagogenhofes an einem lauen Sommerabend dargebotenen Stücke auf den fast in Vergessenheit geratenen melancholischen und nachdenklichen Nuancen der Volksmusik, die in den Kompositionen und Arrangements des Trios als Gegenpol zu unserer hektischen Gegenwart offenbar wurden. Beeindruckt waren viele Besucher, dass sich so junge Leute dieser Art von Volksmusik verschrieben haben.

Für die tiefen Töne sorgte mit ihrer einfühlsamen Altstimme und am Kontrabass Anna Gruchmann, während Maria Maier mit ihrer gefälligen Sopranstimme und auch mit dem Akkordeon überzeugte.

Spiritus Rektor des Trios ist aber zweifellos  Matthias Deger, gleichermaßen als Sänger, vielseitiger Instrumentalist und Komponist tätig. In seinen Kompositionen und Improvisationen greift er überlieferte Melodien, Texte und Gedanken auf, die mit bayrisch-österreichischer Volkskultur in Verbindung stehen, um sie in neuer musikalischer Gestalt auf die Bühne zu bringen. Dabei knüpft gab der Baritonsänger, der jüngst auch schon als Solist die Partie des Evangelisten in Bachs Weihnachtsoratorium in der Philharmonie in Berlin sang, an die modale Tonsprache früherer Zeiten bzw. anderer Kulturen an und entwickelt daraus einen schlichten, erweitert modalen Stil.

Kostproben davon gab der Künstler im Synagogenhof unter anderem mit einem alten traurigen Lied aus dem Bayerischen Wald, das er auf seinem originellen Scheitholt begleitete. Es ist dies ein historisches Saiteninstrument mit zwei gleichen Tonsaiten und einer Melodiesaite, das als frühe Vorstufe der heutigen Zither bereit im 14. Jahrhundert im bayerisch-österreichischen Raum nachweisbar ist.

Für die meisten Zuhörer ein Novum war auch der Einsatz der indischen Shrutibox, auch "Surpeti" genannt, die durch die Betätigung eines Blasebalgs einen anhaltenden Dauerton, ähnlich einem Dudelsack erzeugt und sich so ideal zur Stimmimprovisation oder zum Obertonsingen eignet. Unter anderem setzte Deger diese originelle Tongebung auf den Spuren der bedeutendsten bayerischen Volksdichterin Emerenz Meier aus dem niederbayerischen Waldkirchen beim dramatischen Lied "Wödaschwüln" (Schwüle vor einem Gewitter) ein, bei dem es um Mord und Totschlag ging mit einem Ochsenbefehl als Refrain.

Höchst virtuos brachte Matthias Deger aber auch neben seinem Akkordeon die normale  Klarinette und seine Bassklarinette zum Gesang der beiden Künstlerinnen zum Klingen.

Die Shrutibox setzte auch Maria Meier zur Liedbegleitung ein, so beim Schlaflied "Schifflein ade, Schatzel ich seh di nimmer mehr" und beim mittelalterlichen sorgenvollen Tagelied "Nu rue" a la Walter von der Vogelweide aus dem 15 Jahrhundert.

 Ein vom Ensemble gesungenes Wiegenlied ist auch "Sofdu Unga" aus Island.

Die meisten volkstümlichen Lieder von "Zeidlang" erzählen von Liebe und Sehnsucht, meist leise, tief und innig gesungen und gespielt, auf dem Akkordeon, das klare Linien zeichnet, häufig auch im Zwiegespräch mit der Klarinette  und dem Kontrabass.

Frisch-fröhliche Liebeslieder wie "s'Dirndl vo' Wintergrea", das zum Tanzen geht und "hoam geh tuats net" wechselten sich ab mit Liedern voller Wehklagen, so von der "Kramer Annermirl", die die Stubn voll hungriger Kinner, a zerrissens Gwand und an zuwidda Moa hoat und koa Spaß habn kann.

"Wenn wir mit unseren Liedern in die vergangene Zeit schauen, dann wird uns bewusst, wie gut wir es eigentlich heute haben", so dazu der Kommentar von Maria Meier.

Und es wurde auch viel gejodelt "Holloriahallo" bei Stücken wie "Über d'Alma" oder "Drentahoi da Doana", einem Mythos über den Bayerischen Wald jenseits der Donau, als dieser noch Urwald war.

Zum Schmunzeln veranlassten auch traditionelle Jodellieder wie vom einer Phantasie entspringenden "Äpfelbirnbaum" und vom "Saudirndl", alles Beispiele, wie Zeidlang überlieferte Melodien der bayrisch-österreichischer Volkskultur neu interpretiert. Zugleich ein Beweis, dass deren poetischen Aspekte dem Trio Zeidlang besonders am Herzen liegen.

Recht lustig zu ging es auch beim positiven Liebeslied "Woidbua", begleitet von der Bassklarinette und Akkordeon mit lauten Ausdrücken wie "Heysapperment".

Nach Abschied klang das melancholische Lied vom "Lindenbam", dessen letzte Blattl abgewaht, des is wi a Abschied naht.

Doch bevor es soweit war, begeisterte das Trio noch mit dem berühmten Lied über die zahnlose "Oide Kath" auf  Moa-Suche, das Zeidlang im letzten November   in der Sendung "Wirtshausmusikanten beim Hirzinger" im Bayerischen Fernsehen wie jetzt in Veitshöchheim auf seine ganz eigene Weise spielte und sang.

Mit "Kimm schee hoamle" ("Kommt gut nach Hause") und als Zugabe mit dem Jodler "Höjo pass auf / Pfia God, des Tagwerk is vollbracht" präsentierte Zeidlang den Zuhören einen  wunderbaren Abschluss ihres Konzertes.