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Vom ewigen Kampf der Geschlechter - Theater-Schüler der Mittelstufe des Gymnasiums inszenierten KRATZBÜRSTENDRESSUR

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Riesenapplaus für eine grandiose Leistung der Theaterschaffenden der Mittelstufe des Gymnasiums - Fotos (c) Dieter Gürz Veitshöchheim

Riesenapplaus für eine grandiose Leistung der Theaterschaffenden der Mittelstufe des Gymnasiums - Fotos (c) Dieter Gürz Veitshöchheim

Trefflich waren die Hauptrollen des Stücks mit Filip Gmernicki als Macho Petruchio und Annika Muth  als kratzbürstiger Katharina besetzt. 

“Eigensinn töt’ ich mit Eigensinn. Mit ihren eigenen Waffen schlag ich sie.” In Macho-Manier zwingt Edelmann Petruchio in Shakespeares Komödie “Der Widerspenstigen Zähmung”  die hübsche, aber unausstehliche und zickige Katharina in die Knie. Er geht dabei recht hart und überheblich mit ihr um, gibt ihr widersprüchliche und sinnlose Befehle, entzieht ihr das Essen, um sie langsam gefügig zu machen. Nach seiner Fiktion bringt eine solche Ehe “Friede, Liebe, Glück und ein angenehmes Leben”.
Sensationell meisterte die mit 25 Schülern riesengroße Theatergruppe der Mittelstufe des Gymnasiums Veitshöchheim unter der Regie der Lehrerin Irmgard Ellinger die Premiere der „Kratzbürstendressur“ von Heiko Postma, eine zeitgemäße Neubearbeitung von Shakespeares wunderbarer Komödie (am Freitagabend folgte eine zweite Vorstellung). 

Die Aula-Bühne des Gymnasiums hatte sich bei der Premiere einschließlich Pause zweieinhalb Stunden lang in fünf Akten in einen Schauplatz von Intrigen, hingebungsvollen Liebeleien und den Spielereien sich zähmender Liebenden mit viel Komik  verwandelt.

Regisseurin Irmgard Ellinger sprach von einer Riesenleistung ihrer Theaterschaffenden und nannte es unbeschreiblich, wie aus Chaos, viel Kreativität, Durcheinander, sich gegenseitig nerven, was schönes Ganzes wurde und zutage trat, wie Miteinander funktioniert. Die jungen Akteure trumpften allesamt amüsant und schlagfertig auf, brachten den Wortwitz und die Situationskomik der Komödie vom ewigen Kampf der Geschlechter spielfreudig auf den Punkt. Ellinger bedachte am Ende zur Erinnerung an die tolle Aufführung alle symbolhaft mit einer Kratzbürste.

Das gesamte Stück wurde in die heutige Zeit transferiert, eingebettet in die originelle Shakespeare-Rahmenhandlung "Viel Lärm um nichts", die sich auf teilweise auf den Seitenbühnen abspielte, also im Theatersaal des "Old Shakespeare Inn", wo gerade dieses Stück gespielt wird. Hier wird der betrunkene Kesselflicker Christopher Sly (Nils Oehrlein) - im Bild oben mit der Wirtin (Fiona Stanka) von einem Lord und seinem Gefolge für eine Nacht zum falschen Lord gemacht wird, also ein „Stück im Stück“.

Nachdem er im Inn randaliert hat, bleibt Sly auf der Straße liegen und schläft ein. Ein Lord, der mit seinem Gefolge von der Jagd nach Hause zurückkehrt, sieht ihn liegen und nimmt ihn mit ins Theater. Er will sich einen Spaß mit dem Mann erlauben.

Als der Trunkenbold zu sich kommt, liegt er sauber gewaschen und parfümiert in einem reinen Bett, mit Dienerschaft um sich herum. 

Man redet ihm ein, er sei ein Lord, der 15 Jahre an einer Geisteskrankheit gelitten habe und nun zum Glück seiner Familie und der Dienerschaft wieder zu sich gekommen sei.

Vor allem seine Frau – ein hübscher junger Diener, der flugs in Frauenkleider gesteckt wurde – sei nun glücklich, ihren Liebsten wieder bei sich zu wissen. Man redet Sly ein, dass sein bisher gelebtes Leben nichts als ein Traum gewesen sei, bis er die Geschichte schließlich selbst glaubt.

 

Als eine fahrende Theatertruppe auf das Schloss kommt, spielen ihm die Schauspieler auf Weisung des Lords (Henri Nickola - links im Bild) die Komödie  von der "Widerspenstigen Zähmung" vor.

Mit lustigem Gebärdenspiel und amüsanten Einwürfen begleitet der vermeintliche Lord den Spielbetrieb und erlebt, wie aus der kratzbürstigen Katharina eine sanfte  Katharina wird. Ein vortrefflicher Spaß.

Die  weitere Handlung:

Der Edelmann Baptista Minola hat neben der kratzbürstigen Katharina als jüngere Tochter die sanfte, liebenswürdige Bianca (Antonia Frank - rechts).

Gleich drei Verehrer bemühen sich um sie: Hortensio (Albert Oestemer), Gremio (Amelie Kutscher) und Lucentio (Patrick Melcher). Aber sie alle haben ein Problem: Bianca darf nach dem Willen ihres Vaters (Constantin Saul - rechts) erst dann heiraten, wenn ihre ältere Schwester verheiratet ist. Diese weigert sich aber, Männer auch nur in ihre Nähe kommen zu lassen. Da ist guter Rat teuer, doch ein Zufall spielt den Dreien in die Karten, denn der schlaue Petruchio, ein Freund Hortensios, erklärt sich bereit, die reiche Mitgift vor Augen, trotz deren Widerborstigkeit um Katharina zu werben.

So kommt es zu vielen komischen Szenen, zu launigem Streit und ironischer Missgunst zwischen den Verehrern und zum fulminanten Aufeinandertreffen von Katharina  und Petruchio. Er erweist sich in einem Wortgefecht als ebenbürtiger Gegner für Katharina und erklärt ihr, er werde sie heiraten, ob sie wolle oder nicht.

Schließlich widerspricht Katharina nicht mehr.

Die Hochzeit geht über die Bühne. Petruchio nimmt seine neue Ehefrau mit in sein Haus, lässt sie ihre Koffer selbst schleppen und vorenthält ihr alle Annehmlichkeiten des Wohlstands, und zwar aus vorgeblicher Fürsorge für seine frisch Angetraute.

Er drangsaliert seine Dienerin Biondella (Pauline Frank) und auch mit seiner Gattin recht hart und überheblich um, gibt ihr widersprüchliche und sinnlose Befehle, entzieht ihr gar das Essen, um sie langsam gefügig zu machen.

Nach wenigen Tagen muss sich Katharina geschlagen geben, woraufhin Petruchio einwilligt, sie anlässlich der Hochzeit Biancas nach Padua zu begleiten. Auf der Fahrt sagt Petruchio zur Mittagszeit, wie hell der Mond scheine; als Katharina erwidert, die Sonne scheine, weigert er sich, die Fahrt fortzusetzen, bis Katharina zugebe, dass es der Mond sei. Schließlich gibt Katharina nach, worauf Petruchio behauptet, es sei die Sonne.

Lucentio ist es derweil mit einigen Tricks gelungen, Biancas Herz und das Einverständnis ihres Vaters zu gewinnen.

Hortensio (Albert Oestemer) ehelichte schließlich eine Witwe (Selina Simoni).

Auf einem Bankett wetten die Männer, wessen Frau wohl am ehesten dem Ruf ihres Mannes gehorcht. Der Schluss des Stückes war dann für viele Zuschauer etwas überraschend, denn Frauen scheinen nicht immer so zu sein, wie sie scheinen.  Alle sind erstaunt, als sich Katharina als die Gehorsamste erweist.

Nun scheint auch Petruchio geläutert, gibt sich als hilfsbereiter Ehemann.

Das Stück endet schließlich mit einem Monolog der vormals Widerspenstigen, in dem sie ein Loblied auf die Unterwürfigkeit der Frauen singt.

Wie Regisseurin Irmgard Ellinger sagte, habe sie mit der Auswahl des vom Frauenbild des 16. Jahrhunderts geprägten Stückes lange gezögert. Katharina, die die von ihrem Vater vorgesetzten Männer nicht haben wollte, bezeichnete sie als eine moderne Frau im falschen Jahrhundert. Das Ende der Geschichte von der Unterwerfung der widerspenstigen Katharina ließen die weiblichen Darstellerinnen aber so nicht stehen. Sie setzten an das Ende des Stückes solidarisch eine eigene Version, die der modernen Frau eher gerecht wird.

Ellinger: "Dies offenbart das Engagement der Schüler, das hinter der Inszenierung eines solchen Stückes steckt." Gewaltig war für die Gruppe auch der Aufwand für Bühnenbild, Requisite und Maske bis hin zur Beleuchtungs- und Tontechnik. Die Laien-Schauspieler hatten dies alles neben dem normalen Schulbetrieb zu stemmen.

Weitere Mitwirkende:

Felix Brede (Grumio), Toni Vorndran (Vincentio), Mona Hietel (Curtisse), Sarah Schürr (Modistin) und in der Rahmenhandlung Sarah Benz, Jakob Riegel, Alicia Oertel, Jonas Öder, Janek Rau, Katharina Dietrich, Leonie Kimmel und Lara Holst.

Anastasiya Sidelnyk spielte als Tranio den Diener Lucentios (Patrick Melcher), der zeitweise in dessen Rolle als offizieller Freier Biancas schlüpft, um diesem zu ermöglichen, als falscher Lateinlehrer Cambio Biancas Liebe zu gewinnen.

Weitere Szenenfotos: